WAVE Trophy Tagesbericht #7 & #8, Etappe „Freistadt -> Mauterndorf -> Werfenweng“ (28/29.09.2018)

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Aufgestanden in Freistadt machen wir uns auf den Weg nach Sattledt zu Fronius, wo uns an Hand eines Vortrags die Geschäftsbereiche und Zukunftsvisionen von Fronius präsentiert werden. Danach folgt eine Führung durch die Fabrikhalle, welche wesentlich größer ist, als von uns angenommen. Generell sind wir von Fronius beeindruckt, da wir der Auffassung waren, dass das Unternehmen eine wesentlich kleinere Firma mit engerer Produktpalette sei, sprich Schweißgeräte. Anschließend schießen wir auf dem Parkplatz erneut ein Gruppenfoto und Drohnenvideo mit „LINKS RECHTS LINKS RECHTS…“. Die WAVEr und Angestellten bei Fronius werden wissen, was ich meine. 

In Anif bei Salzburg sind wir nach dem Mittagessen bei KTM Technologies und Kiska zu Gast und können jeweils eine Viertelstunde einen Blick hinter die Kulissen werfen. Wenn ich Kiska in einem Satz beschreiben müsste, würde ich „Haus und Hof Designer von KTM“ wählen. Bei Kiska wird uns die Firma im Foyer präsentiert, bei KTM kommen wir 15 Meter weiter in einen Videoraum, wo wir 10 Minuten lang ein Prototyp eines Elektrofahrrads zu sehen bekommen. Fotos dürfen wir keine machen, damit kein Betriebsgeheimnis veröffentlicht wird. Bei Kiska können wir mit jeweils einem leitenden Ingenieur und Designer reden, wodurch wir ein paar genauere Abläufe zwischen Kiska und KTM Technologies vermittelt bekommen. Während unseres Aufenthalts in Anif können wir unser Auto an einer Smatrics CCS Säule laden, da uns ein nettes Fräulein von Team IM-PLAN-TAT mit ihrer Smatrics Karte auf einen „Stromzuzler“ einlädt, denn unsere ChargeNow Karte ist von einem anderen Anbieter. Danke, Pia! Nach diesen zwei Firmenbesichtigungen geht’s auf nach Mauterndorf, wo wir bereits erwartet werden.

Da es bis jetzt nicht allzu viel zu berichten gibt, nutze ich nun die Chance, euch exemplarisch unsere Etappenaufenthalte an Hand von Mauterndorf zu erläutern. Mit allen Höhen und Tiefen, damit ihr euch mal ein Bild über unsere Stopps machen könnt.

Richtung Mauterndorf informieren wir uns auf Wikipedia und Google Maps über die Marktgemeinde. Der Zielort, also der Marktplatz, ist relativ eng und bietet genau eine Ladesäule mit 2x Stecker-Typ 2. Laut Roadbook treffen wir uns an der Talstation und fahren dann im Konvoy in die Marktgasse. Wir wissen aus erster Hand, dass der Support Crew 5 x 63A Anschlüsse versprochen wurden, schätzen aber, dass das wegen mangelnder Kommunikation in die Hose geht. Wir beschließen einen Präventivschlag gegen das Organisationschaos und fahren direkt in den Ort, also vorbei an dem Parkplatz bei der Seilbahn. Wir sind die ersten bei der Säule und stecken unser Auto an. 60 Sekunden später kommt uns eine Verantwortliche des Tourismusverbandes entgegen, begrüßt uns höflich und teilt uns mit, dass wir uns am richtigen Fleck befinden, beim Parkplatz am gegenüberliegenden Ende der Marktgasse. Kurz darauf kommt der Tesla der Support Crew #1 angesaust und begutachtet mit uns den bereitgestellten Stromverteilkasten. Welch Wunder, es ist für alle nur 1x 63A vorhanden, der Rest muss sich mit „unserer“ Säule zufriedengeben. Die nette Dame mit dem Dirndl fragt uns, ob es größere Probleme gab, denn nicht nur steht sie seit 1.5 Stunden in der Kälte und wartet auf unsere Autos, sondern es wurde erst heute Morgen von dem Veranstalter Bescheid gegeben, wie und wann wir kommen werden – also viel zu kurzfristig für professionelle Events. Wir verstehen uns super und kommen ins Gespräch, aber die Dame wirkt äußerst genervt von der ganzen Situation. Unserer Meinung nach auch gerechtfertigt, denn es ist einfach nicht normal, dass man ein ganzes Dorf so lange warten lässt. 

Wir setzen uns in die Spunte neben dem Parkplatz und trinken Espressi. Nach und nach treffen die Autos vom Liftplatz ein und suchen eine Lademöglichkeit, werden aber alle vertröstet. Bei vielen macht sich deutlicher Unmut sichtbar, denn schließlich wurde unserer Organisation ausreichend Lademöglichkeiten versprochen. Wenn man im Vorfeld gewusst hätte, dass es die nicht gibt, wäre man wo anders hingefahren. Das geht aber jetzt nicht mehr, denn das eine oder andere Fahrzeug ist leer. Nach dem Espresso begeben wir uns zum Torbogen 500m weiter oben in der Marktgasse und sehen, dass das Arrival vorüber ist – beim Bogen wird die Luft ausgelassen und die Teilnehmer in die Burg zum offiziellen Empfang geschickt. Nachdem sich der Platz geleert und alle Organisatoren abmarschiert sind, denken wir uns, dass die Frau vermutlich noch sinnloserweise in der Kälte steht, weil ihr niemand Bescheid gegeben hat. Wir marschieren runter und siehe da, die zittert da vor sich her. Wir bieten ihr eine Jacke an und teilen ihr mit, dass alles vorüber ist. Sie tut ihr Unverständnis kund, bedankt sich bei uns und erklärt uns auf dem gemeinsamen Spaziergang historische Begebenheiten des Dorfs – sie ist ja Fachfrau vom Touristenverband. Wir, die Old Creek Connection, bedanken uns im Namen der WAVE Teilnehmer bei der netten Dame für den herzlichen Empfang. In der Burg werden wir vom Manager des Biosphärenparks Lungau begrüßt. Wir erhalten eine kleine, sehr schön verarbeitete Holzsteige aus Sägewerkabfällen gefüllt mit Bier, Limonade und speziellen lungauer Erdäpfeln. Im Burg Saal serviert man uns eine lokale Köstlichkeit und ein Trio spielt für uns Bierhausmusik. Es wird durch das Mikrofon vom Veranstalter eine Durchsage gemacht, dass morgen Vormittag beim Treffpunkt Lademöglichkeiten zur Verfügung gestellt werden sollen, diese aber „logischerweise“ bereits aufgebaut seien und wir dort laden können. Der Abend ist super, die Leute freuen sich über den herzlichen Empfang und das Geschenk. Man spürt aber, dass es in der Luft leicht von Unverständnis über die Ladesituation knistert. 

Um 21:00 marschieren wir zum Auto und fahren zu unserer Unterkunft, also in das 10 km entfernte Dorf St. Michael im Lungau. Im Ort surren überall Elektroautos umher die ihre Unterkunft suchen, denn im Roadbook stehen falsche Adressen. Manche läuten bei falschen Häusern, andere suchen verzweifelt Strom, andere sind sowieso im falschen Ort. Wir checken um 22:30 in der Unterkunft ein und fahren zum morgigen Treffpunkt, eine Talstation einer weiteren Seilbahn. Überall stehen nicht angeschlossene Fahrzeuge und leere Steckdosen, von den Fahrern ist keine Sicht. Es stellt sich heraus, dass die elektrische Infrastruktur einen Schuss hat und niemand laden kann. Da wir vom Fach sind, nehmen wir uns dem an. Nach 10 Minuten kommt ein weiteres Team dazu, mit welchem wir uns in Kooperation auf Fehlersuche begeben – im Stockdunkeln mit einer Taschenlampe bei Kälte und Nässe. Nach einer Dreiviertelstunde kommen wir zum Schluss, dass es vermutlich am FI-Modul vom Leistungsschutzschalter liegt, was aber wegen der Verplombung außerhalb unserer Machbarkeit liegt. Wir schaffen es allerdings, dass ein Auto geladen werden kann und stecken den BYD vom anderen Team an.

Wir suchen uns im Auto am Ultrabook die nächste Ladestation mit CCS Lademöglichkeit und werden beim BIPA fündig. Dort angekommen steht bereits einer unserer ZOEs am zuzeln und bietet uns seinen Platz in 5 Minuten an. Mittlerweile regnet’s und wir stecken unseren BMW um 00:45 für eine halbe Stunde an, damit wir auf 90%+ kommen. Um 01:30 sind wir endlich beim Hotel, wo uns das Team mit dem roten Tesla aus St. Pölten entgegen kommt. Die suchen immer noch nach einer Lademöglichkeit, wir schicken sie zum BIPA. Um 05:30 geht der Wecker. Am nächsten Morgen um 06:00 fahren wir mit der Sonnenbahn auf den Speiereck und genießen auf einer Hangspitze den Sonnenaufgang. Leider ist es neblig und wir könne die Sonne nicht sehen, aber toll war’s allemal. Dann wird auf der Bergstation ordentlich nach lungauerischer Art gefrühstückt. Danke für die Einladung, war super!

Um 09:30 fahren wir ab Richtung Gröbming, gefolgt von der Firma Schunk in Bad Goisern. Der Aufenthalt bei letzterer fällt leider äußerst kurz aus, da uns das Roadbook eine genaue Abfahrtszeit vorgibt, welche allerdings aus organisatorischen Gründen von fast niemanden eingehalten wird. Die Autos kommen dadurch tropfenweise und zu spät beim Firmengelände an. Nach einer dreiviertelstündigen Führung werden wir vom Organisator aufgefordert weiter zu fahren. Wir ignorieren die Aufforderung und unterhalten uns mit den Mitarbeitern in der Kantine. Auf die Nachfrage, ob sie schon vor 13:30 auf uns gewartet haben, bekommen wir die Antwort „Ja, seit morgen.“. Wir bedanken uns bei den Mitarbeitern für die Gastfreundschaft sowie den tollen Empfang und begeben uns mit einer halben Stunde Verspätung zum Auto. Wir setzen uns ins Auto, sehen uns an und geben beide zu, dass wir uns für dieses organisatorische Chaos fremdschämen. Wenn schon ein Roadbook geplant wird, muss das auch die Gastfreundschaft der Gemeinden und Firmen respektieren. Soll heißen: Weniger Programm pro Tag, längere Aufenthaltsdauer pro Zwischenstopp, bessere und klarere Kommunikation mit den Gastgebern und eingehaltene Pünktlichkeit.

Wir düsen zum Ziel nach Werfenweng, wo auf uns eine Abschlusszeremonie wartet. Die WAVE Trophy 2018 ist vorbei, wir fahren noch am Abend nach Hause.

In den nächsten Tagen folgt noch unser Abschlussbericht mit unserer Meinung zur WAVE. Soviel vorweg: Großartige Teilnehmer, tolle Gruppenleiter, tolle Support Crews, super Etappenpunkte, grandiose Gastgeber, aber zu chaotische Organisation/Kommunikation vor und hinter der Bühne.